«Die Erfassung des Ist-Zustands ist im Bestand das A und O» - Interview mit Dr. Johannes Gantner

Das Thema Nachhaltigkeit nimmt weiter Fahrt auf. Bei Immobilien rückt dabei der Bestand immer mehr in den Blick. Diesem Thema widmet sich der diesjährige Netzwerk-Anlass «Stratus 7.x Best Practice». Als Key Note-Speaker hat Dr. Johannes Gantner von POM+Consulting zugesagt. In Vorbereitung des Anlasses haben wir ihn zur Nachhaltigkeit bei Bestandsimmobilien befragt.

Jeder Franken, der in den Bestand investiert wird, spart CO2-Emissionen. Eigentümer sind daher gut beraten zu verstehen, welchen Nutzen der nachhaltige Umbau von Immobilienportfolios beinhaltet, und wie es gelingt, ambitionierte Emissionsziele im eigenen Immobilienportfolio kosteneffizient zu erreichen. Ein Vorhaben, bei dem Stratus 7.x wirksam unterstützt.

Der diesjährige Netzwerk-Anlass «Stratus 7.x Best Practice» ist erneut dem Thema Nachhaltigkeit gewidmet. Das Event, zu dem sich Interessenten hier anmelden können, findet am Mittwoch, den 19. Juni 2024 von 14.00 bis 18.00 Uhr im Technopark Zürich statt. 

Unser Key Note-Speaker, Dr. Johannes Gantner von POM+Consulting AG, beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der nachhaltigen Transformation von Bestandsimmobilien. Im Gespräch mit Stratus stellt der erfahrene Experte dar, welche Chancen in der nachhaltigen Entwicklung von Bestandsimmobilien liegen. Ein lohnende, aber keine einfache Aufgabe, weswegen deren Optimierung seiner Meinung nach die "Königsdisziplin" darstellt.

 

Stratus: Herr Dr. Gantner, welche Bedeutung hat Nachhaltigkeit in der Immobilienwirtschaft?

Johannes Gantner: Die Bau- und Immobilienwirtschaft verantwortet rund 40 Prozent des CO2-Ausstosses in der Schweiz bei einem gleichzeitig hohen Bedarf an Fläche und Ressourcen. Daher trägt der Sektor eine grosse Verantwortung. Der Druck von Gesetzgebern und Mietern auf Immobilieneigentümer steigt und die Bedeutung von Nachhaltigkeit wird immer mehr zu einer zentralen Forderung. Neben «Lage, Lage, Lage» entwickelt sich Nachhaltigkeit zu einem entscheidenden Einflussfaktor bei der langfristigen Sicherung des Immobilienwertes. Dabei spielt nicht nur die ökologische Dimension eine Rolle, sondern mehr und mehr auch die soziale Dimension. Die relevanten Stichworte lauten hier bezahlbarer Wohnraum und durchmischte Mieterschaft sowie Wellbeing und Komfort.

Wie kann Nachhaltigkeit die Wirtschaftlichkeit und Performance von Immobilien verbessern?

Nachhaltigkeit ist eine Investition. Aufgrund des langen Lebenszyklus von Immobilien und der teilweise hohen notwendigen Investitionen ist jedoch die Wahl des Zeitpunkts und der Eingriffstiefe von Sanierungsmassnahmen entscheidend. Eine sorgfältige Planung ist daher entscheidend. Ziel muss sein, die geeigneten Massnahmen zum richtigen Zeitpunkt zu treffen. Dabei sollten Nachhaltigkeitsverbesserungen dann umgesetzt werden, wenn Bauteile oder Anlagenkomponenten das Ende ihrer Lebensdauer erreichen. So können die notwendigen und ohnehin anfallenden «Sowieso»-Kosten minimiert und Synergieeffekte genutzt werden. Eine vorausschauende Planung der grösseren, werterhaltenden Investitionen zur Verbesserung der Nachhaltigkeit, zum Beispiel durch die Simulation von Absenkpfaden zum Erreichen des Netto-Null-Ziels, bildet hierfür die Grundlage und ist eine zentrale Aufgabe des strategischen Immobilienportfoliomanagements. Nur so lassen sich geringe Nebenkosen, optimierte Investitionskosten und Nachhaltigkeit unter einen Hut bringen.

Welche Rolle spielen Bestandsimmobilien bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien?

Bestandsimmobilien sind für einen erheblichen Teil der Treibhausgase in der Schweiz verantwortlich. Entsprechend gross ist der Handlungsdruck. Bei Neubauten können viele Nachhaltigkeitsthemen (u.a. Energieeffizienz, CO2, Kreislaufwirtschaft etc.) schon bei der Planung berücksichtigt werden. Im Bestand ist das komplizierter, denn verschiedenste Bedürfnisse müssen abgewogen und Zielkonflikte adressiert und gelöst werden. Auf Grund einer Vielzahl von Beschränkungen, wie beispielsweise der Denkmalschutz oder räumliche und strukturelle Gegebenheiten stellt die nachhaltigkeitsorientierte Optimierung von Bestandsimmobilien die Königsdisziplin dar.

Wie dürfen wir uns ein nachhaltiges Immobilienportfolio in 10 Jahren vorstellen?

Ein Grossteil der Gebäude wird bereits auf erneuerbare Energieträger umgestellt worden sein. Im Zuge dessen werden auch geeignete Dächer mit PV-Anlagen ausgestattet und E-Mobilitätslademöglichkeiten vorahnden sein. Weiterhin sind Umgebungsflächen hinsichtlich Biodiversität und Hitzemilderung optimiert. Gebäude werden im Sinne der Kreislaufwirtschaft als Rohstofflager genutzt. Der Materialverschleiss dürfte also stark reduziert sein. Ferner entstehen interdisziplinäre Lösungen für die heutigen Herausforderungen in Sachen «bezahlbarer Wohnraum» und «Wohnen in allen Lebenssituationen bzw. «Barrierefreiheit».

Was empfehlen Sie den Verantwortlichen, die sich heute auf den Weg zur Netto-Null begeben wollen?

Einfach anfangen! Idealerweise startet man mit einer Nachhaltigkeitsstrategie für das Gesamt-Portfolio. Das A und O, gerade im Bestand, ist die Erfassung des Ist-Zustands. Daraus lassen sich kurz-, mittel- und langfristige Ziele ableiten und die geeigneten Massnahmen definieren, um diese zu erreichen. Die Priorisierung und Fokussierung der entscheidenden Liegenschaften (basierend auf der Fläche, dem Energieverbrauch und fossilen Energieträgern) ist der Schlüssel zum Erfolg. Die nachhaltige Optimierung von Immobilien ist bestenfalls als iterativer Prozess zu verstehen, der aus verschiedenen Phasen besteht und über Zeit zu grossen Verbesserungen führt.

Herr Dr. Gantner, wir danken Ihnen für das Gespräch.

 

Johannes Gantner ist Key Note-Speaker beim Netzwerk-Anlass "Stratus 7.x Best Practice" am 19. Juni 2024 im Technopark Zürich.

 

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